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Freie Trauung & Feminismus | Nur Ja heißt Ja.

17. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Aug.


Über freie Trauungen, feministische Werte und die Freiheit, sich füreinander zu entscheiden.


Ich arbeite in einem Beruf, in dem ziemlich viel Ja gesagt wird.

Ein Ja zur Ehe.

Ein Ja zu einem Menschen.

Ein Ja zu einer gemeinsamen Zukunft.

Und vielleicht liegt genau darin für mich die Verbindung zwischen freien Trauungen und feministischen Werten:


Ein Ja hat nur dann Bedeutung, wenn auch ein Nein möglich ist.


Das klingt zunächst selbstverständlich. Historisch betrachtet war es das nicht.

Die Ehe ist nicht gerade als Institution weiblicher Selbstbestimmung entstanden. Für Frauen bedeutete sie lange nicht nur Liebe und Verbundenheit, sondern auch wirtschaftliche Abhängigkeit, eingeschränkte Rechte und ziemlich konkrete Vorstellungen davon, welche Rolle ihnen innerhalb einer Beziehung zukam.

Vieles davon hat sich verändert. Zum Glück.

Und trotzdem begegnen uns manche dieser Vorstellungen bis heute – manchmal offensichtlich, manchmal so selbstverständlich, dass wir sie kaum noch bemerken.

Wer macht eigentlich den Antrag? Wer gibt seinen Namen auf? Warum wird eine Braut von ihrem Vater an eine*n Partner*in „übergeben“? Wer reduziert später selbstverständlich die Arbeitszeit, wenn Kinder da sind? Und warum haben wir überhaupt noch so klare Bilder davon im Kopf, wie eine Ehe oder eine Familie auszusehen haben?

Dabei geht es mir nicht darum, Traditionen grundsätzlich abzulehnen.

Im Gegenteil: Ich finde es ziemlich schön, wenn Menschen sich dazu entscheiden, ihre Verbindung miteinander zu feiern. Und Rituale können etwas sehr Verbindendes haben.


Feminismus bedeutet für mich nicht, bestimmte Entscheidungen treffen zu müssen.

Sondern sie treffen zu können.


Man darf seinen Namen behalten. Den des anderen annehmen. Oder einen gemeinsamen neuen Namen wählen.

Man darf im weißen Kleid heiraten. Im Anzug. In Schwarz. Oder in Jogginghose, wenn man sich darin am meisten wie man selbst fühlt.

Denn auch darin kann Freiheit liegen: zu merken, dass eine Hochzeit keinem bestimmten Bild entsprechen muss, um eine Hochzeit zu sein.


Traditionen können wunderschön sein, wenn sie einem etwas bedeuten.

Sie zu brechen kann aber genauso schön sein – und manchmal sogar ziemlich befreiend.


Nicht aus Prinzip.

Nicht, um möglichst unkonventionell zu sein.

Sondern weil man merkt, dass man etwas nicht tun muss, nur weil es schon immer so gemacht wurde.

Ihr könnt euch von euren Eltern zum Altar begleiten lassen. Gemeinsam einlaufen. Alleine. Mit der besten Freundin. Zu eurem Lieblingssong oder ganz ohne Musik. Ihr könnt Ringe tauschen oder darauf verzichten. Eheversprechen schreiben oder feststellen, dass ihr euch lieber etwas anderes sagen möchtet.

Ihr dürft übernehmen, was sich nach euch anfühlt.

Verändern, was nicht ganz passt.

Und weglassen, was nur deshalb da wäre, weil es vermeintlich dazugehört.


Eine Tradition verliert für mich nicht ihren Wert, wenn sie freiwillig gewählt wird.

Und eine Hochzeit verliert nichts von ihrer Bedeutung, wenn man mit Traditionen bricht.


Die entscheidende Frage ist für mich deshalb nicht, ob eine Hochzeit feministisch genug, traditionell genug oder unkonventionell genug ist.

Sondern:

Ist es eure Entscheidung?

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich die Idee einer freien Trauung so mag. Nicht, weil eine freie Trauung automatisch feministisch wäre. Und auch nicht, weil „frei“ bedeuten müsste, möglichst viele Konventionen über Bord zu werfen.

Sondern weil sie Raum dafür schafft, herauszufinden, was wirklich zu euch gehört.

Eine Zeremonie kann dadurch mehr sein als die schöne Inszenierung eines Ja-Wortes. Sie kann etwas darüber erzählen, wie zwei Menschen miteinander verbunden sind – und welche Beziehung sie miteinander führen möchten.


Für mich gehören dazu Gleichwertigkeit und gegenseitiger Respekt. Die Autonomie des anderen nicht als Bedrohung der eigenen Verbindung zu verstehen. Grenzen achten zu können. Verantwortung füreinander zu übernehmen, ohne daraus Besitzansprüche abzuleiten.

Und Beziehung nicht als starres Rollenmodell zu begreifen, sondern als etwas, das Menschen miteinander gestalten und immer wieder neu aushandeln dürfen.

Vielleicht treffen sich freie Trauungen und feministische Werte für mich genau dort:

in der Freiheit, sich zu binden.


Denn Selbstbestimmung und Verbundenheit sind keine Gegensätze.

Ich kann ein eigenständiger Mensch sein und mich trotzdem für ein gemeinsames Leben entscheiden. Ich kann Freiheit brauchen und Verbindlichkeit wollen.

Ich kann gesellschaftliche Vorstellungen von Ehe hinterfragen und trotzdem Ja zu ihr sagen.


Vielleicht bekommt dieses kleine Wort gerade dadurch sein Gewicht.

Nicht, weil es erwartet wird.

Nicht, weil man es eben so macht.

Nicht, weil eine bestimmte Rolle darauf wartet, ausgefüllt zu werden.

Sondern weil zwei Menschen es sagen können – und sagen wollen.


Ein Ja hat nur dann Bedeutung, wenn auch ein Nein möglich ist.

Und vielleicht ist genau deshalb ein freiwilliges Ja eines der schönsten Dinge, die zwei Menschen einander geben können.

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